Käfer statt Cordon bleu
Der Verzehr von Insekten ist bei uns immer noch nicht salonfähig geworden. Eingedenk der Tatsache, dass Heuschrecken, Maden und andere Insekten auf nahezu jedem Kontinent in mehreren Ländern als Delikatesse gelten, sind wohl eher wir die Exoten. Vor den proteinreichen Sattmachern ekeln wir uns, weil in unserem Kulturkreis Insekten noch immer als unappetitliches Ungeziefer, als krabbelndes Geschmeiß, wahrgenommen werden. Dabei stehen essbare Insekten in immer mehr Ländern der westlichen Welt auf der Speisekarte und viele Wissenschaftler sehen in der Etablierung von Heuschrecken als Nahrungsmittel auch ein probates Mittel gegen den Welthunger.
Der feine Unterschied
Im vergangenen Jahr konnte das Dschungelcamp Rekordeinschaltquoten verbuchen und angesichts der dargebotenen Demaskierung der „Bestie Mensch“ gaben sogar viele Intellektuelle zu, diese Sendung leidenschaftlich und interessiert zu verfolgen. Auch im Dschungelcamp 2012 werden wohl wieder jede Menge Insekten in den Mägen der teilnehmenden Promis landen. Natürlich wird in diesem Fall versucht, möglichst unappetitliche, lebende Krabbeltierchen und gerade noch essbare Köperteile von anderen Tieren auf den Tisch zu bringen. Mehlwürmer und Heuschrecken sind dabei eigentlich nur die Beilage. Mit richtigen Delikatessen hat das allerdings nicht wirklich viel zu tun. Die wenigsten Menschen bevorzugen ihre Insekten lebend und ein noch wesentlich geringerer Teil der Menschheit denkt allen Ernstes über den Verzehr roher Känguru-Hoden nach. Besonders gesund ist das auch nicht. Unser Magen ist zwar einerseits eine ziemlich robuste Maschine, die grundsätzlich eine Menge verdauen kann, doch andererseits ist gerade bei rohen Lebensmitteln die Gefahr recht groß, dass es zu Übelkeit, Erbrechen und manchmal sogar zu Herz-Kreislauf-Problemen kommen kann. Dabei sind richtig zubereitete Insekten alles andere als unappetitlich. Gebraten und gut gewürzt sind sie selbst für westliche Gaumen durchaus schmackhaft und hierzulande erhält man Insekten mittlerweile in einigen Spezialläden sogar schon als Nascherei mit Schokoladenüberzug. Hier soll der Geschmack allerdings noch eher gewöhnungsbedürftig sein.
Das Nahrungstabu
Den Begriff haben die meisten von uns schon einmal gehört, aber was genau verbirgt sich dahinter? Prinzipiell fasst man damit alle Tiere oder Pflanzen zusammen, die zwar essbar sind, von einer bestimmbaren sozialen Gruppe oder in einem Kulturraum bewusst nicht verzehrt werden und als nicht essbar oder einfach unappetitlich gelten. Regional bedingt sieht das Nahrungstabu immer anders aus. Was in dem einen Kulturkreis als Grundnahrungsmittel gilt, ist anderswo völlig verpönt oder gilt sogar als ungenießbar. Milchprodukte wie Käse und Jogurt gelten in manchen Teilen der Welt zum Beispiel als hochgradig abstoßend. Nahrung, die aus Glaubensgründen nicht verzehrt wird – wie Schweinefleisch oder Alkohol im Islam – zählt übrigens nicht mit zum Nahrungstabu.
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